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3. Jahr [2008/2009]


Templeton Research Lectures im Mai 2008

Haben religiöse Menschen einen Vorteil, den sie lebensstrategisch nutzen können? Haben eligionen eine positive Rolle in der Evolution des Menschen gespielt? Oder sind Religionen eher ein Nebenprodukt er Evolution, ohne erkennbaren Sinn und Funktion? Hatten sie vormals eine Funktion, die inzwischen überflüssig geworden ist? Unterliegen Religionen vielleicht selbst der Evolution – schließlich sind auch viele Religionen bereits ausgestorben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der international renommierte Evolutionsbiologe und Ethnologe Prof. Pascal Boyer von der Washington University, St. Louis, der mit seinem Buch »Und Mensch schuf Gott« 2004 auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.

Boyer spannt einen Bogen von der Hirnforschung über die Neurobiologie zur Sprachforschung, Psychologie, Evolutionsforschung bis hin zu den Religionswissenschaften. Die Kenntnisse darüber, wie sich das Gehirn im Laufe der Evolution entwickelt hat, bezieht der gebürtige Franzose auf das religiöse Verhalten der Menschen. Nach seinen Forschungen kam Religion während der letzten Eiszeit, also vor 50000 Jahren, zunächst in Europa auf, zeitgleich mit dem Kunsthandwerk. »Was wir Religion nennen«, schreibt Boyer, »entstand vermutlich zusammen mit dem menschlichen Geist in seiner heutigen Gestalt, ausgelöst durch eine plötzliche Veränderung in der geistigen Tätigkeit«. Religion, so Boyer, kann sich erst auf einem hohen komplexen Niveau der Hirnentwicklung einstellen.

Religionen allgemein deutet er als ein hilfreiches Konstrukt des menschlichen Geistes, das dem Menschen in einer spezifischen LeLebenssituation (»kognitive Nische«) Überlebensvorteile verschafft. Boyer hat dazu den Begriff der »intuitiven Ontologie« geprägt: In der langen Geschichte des menschlichen Überlebenskampfes innerhalb der Evolution hat der Mensch Strategien entwickelt, unmittelbar, also ohne vollständigen Überblick über die Situation und ohne vollständige Kenntnis, angemessen zu agieren oder zu reagieren. Dass die Religion so wichtig für den Menschen werden kann, hat seinen Grund darin – so Boyer, »dass sie Erkenntnissysteme aktiviert, die lebenswichtig für uns sind, weil sie unsere stärksten Emotionen steuern, unseren Austausch mit anderen prägen, uns moralische Empfindungen eingeben und maßgebend für die Gruppenbildung sind«. Allerdings ist sein Versuch, Religion aus evolutionärer Perspektive herzuleiten, in der Theologie nicht unumstritten. Inwieweit lassen sich tatsächlich Religionen ganz ohne Transzendenz aus der Entwicklungsgeschichte des menschlichen Gehirns erklären? Gerade aus der Sicht der christlichen Theologie, in der die Transzendenz Gottes und seine Inkarnation entscheidend sind, dürfte diese Sicht nicht unproblematisch sein.

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Veröffentlichungen:

Die Templeton Lectures von Philip Clayton ab sofort als englische und deutsche Buchausgabe bei Vandenhoeck & Ruprecht erhältlich…

Philip Clayton: Die Frage nach der Freiheit

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Interviews des Hessischen Rundfunks mit den Fellows des vierten Jahres der TRL …


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