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4. Jahr [2009/2010]


Thema des 4.Forschungsjahres (2009/2010)

Grunsbausteine für eine moderne Anthropologie

Was ist der Mensch? Grundbausteine für eine moderne Anthropologie

Die ersten drei Jahre der Frankfurter Templeton Research Lectures waren ein enormer Erfolg. Es wurden neue Perspektiven und Problemstellungen verschiedener biologischer Fachrichtungen in Zusammenarbeit mit Philosophie und Theologie auf die Frage „Was ist der Mensch?“ herausgearbeitet. Insgesamt besuchten mehrere tausend Teilnehmer die Veranstaltungen vor Ort, mehrere zehntausend Menschen besuchten unsere Webseite und zahlreiche Medienvertreter berichteten in Fernsehen, Radio und Zeitung.

Im Wettbewerb mit der Vanderbilt University gelang es der Goethe-Universität Frankfurt ein Bonusjahr für die Templeton-Lectures einzuwerben, das mit 90.000 $ dotiert ist.
In einem vierten Jahr ist nun die einzigartige Möglichkeit gegeben, diese Perspektiven als Grundzüge für eine moderne Anthropologie zusammenzufügen, um letztlich die Frage „Was ist der Mensch?“ nicht wie in manchen Debatten führender Naturwissenschaftler reduktionistisch, sondern umfassend unter modernen Verstehensbedingungen zu beantworten.

Das bedeutet, dass neben den wichtigen Erkenntnissen, die uns die modernen Naturwissenschaften liefern und die es zu beachten gilt, auch andere wesentliche Eigenschaften des Menschen in eine solche Konzeption einfließen müssen:
Als Dreh- und Angelpunkt eines anthropologischen Entwurfs bieten sich die Diskussionen um Bewusstsein und Evolution an, da sich hier wichtige Weichenstellungen für eine Anthropologie ergeben. Das Konzept des Bewusstseins wird in einem interdisziplinären Diskurs erforscht, und dieser ist einer der meist beachteten Diskurse in Wissenschaft und Gesellschaft. Neurobiologie, Psychologie und Medizin liefern wichtige Einsichten und Erkenntnisse, die beispielsweise klassische Konzepte des Menschenbildes wie Willenfreiheit, Personalität, Selbst und Ichbewusstsein betreffen. Hier entscheidet sich, ob der Mensch prinzipiell ein autonom handelndes Subjekt oder ob Bewusstsein z.B. nur ein Epiphänomen ist. Interessant scheint in der Bewusstseinsdebatte aber die Tendenz, dass die Mängel reduktionistischer Ansätze immer offensichtlicher werden und neue Interpretationsrahmen entstehen.

Folgende Fragen spielen hier eine besondere Rolle:

  • Welche naturwissenschaftlichen Befunde verweisen auf einen kreativen Kosmos?
  • Was ist die Stellung des Menschen im diesem kreativen Kosmos?
  • Wie lassen sich die verschiedenen Dimensionen des Menschseins darin verankern?
  • Welchen Beitrag zu einer Anthropologie liefern die Religionen vor diesem Hintergrund?

Eine moderne Anthropologie muss also sowohl naturwissenschaftliche Ergebnisse als auch andere Komponenten wie beispielsweise die religiöse Sinndeutungen – zumindest als mögliche Dimensionen des Menschseins – umfassen.
Aus diesem Grund werden die Templeton-Lectures im vierten Jahr mit einer interdisziplinären, interkulturellen und international hoch angesehenen Doppelspitze besetzt: Prof. Dr.Dr.Dr. Günter Rager (Neurobiologe und Philosoph) und Prof. Dr. Michael von Brück (Religionswissenschaftler und Theologe) .
Zahlreiche Fachkonferenzen und Workshops, die sich mit spezielleren Aspekten der Thematik – wie beispielsweise die Beleuchtung des Verhältnisses von Lebenswelt und naturwissenschaftlicher Perspektive – auseinandersetzen, sind geplant.
Dieses Vorhaben wird in Kooperation mit dem Dilthey-Fellowship „Das Rätsel des Bewusstseins. Auf der Suche nach einer integralen Theorie“ von Dr. Tobias Müller durchgeführt werden, wodurch ein Netzwerk von Nachwuchswissenschaftlern eng an dieses Forschungsvorhaben angebunden werden kann.
Vor diesem Hintergrund soll der Versuch unternommen werden, die ethisch, politisch und philosophisch höchst relevante Frage „Was ist der Mensch?“ unter heutigen Gesichtspunkten interdisziplinär und interkulturell zu beantworten.

Templeton-Fellows 2009/10

Günter Rager studierte Medizin (Schwerpunkt: Neurowissenschaft, Embryologie) und Philosophie in Erlangen, Tübingen, Göttingen und Zürich. Promotion in Philosophie und Medizin. Berufung als Ordinarius und Direktor des Instituts für Anatomie und spezielle Embryologie an der Universität Freiburg im Üchtland, an der er sein langjähriges Wirkungsfeld fand. Zuerst am Anatomischen Institut in Göttingen, später am dortigen Max-Planck- Institut für Biophysikalische Chemie entwickelte Rager seine äußerst erfolgreichen Forschungen auf seinen beiden Spezialgebieten Embryologie und Neurowissenschaften. Daneben zahlreiche Publikationen zu Grenzfragen im Bereich Naturwissenschaften und Philosophie (u.a. zum Personbegriff). Die wissenschaftliche Tätigkeit von Günter Rager fand Anerkennung durch die Berufung in zahlreiche wissenschaftliche Institutionen und Gremien. Von 1983-1986 war er Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Anatomie, Histologie und Embryologie, seit 1998 ist er Direktor des Instituts der Görresgesellschaft für Interdisziplinäre Forschung. Weitere Mitgliedschaften bestehen im Senat der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, in der Académie Internationale de Philosophie des Sciences, bis vor kurzem in der Schweizerischen Medizinischen Interfakultätskommission sowie in mehreren Fachgesellschaften. 2005 Ehrendoktorwürde in Katholischer Theologie.

Michael von Brück studierte Theologie, Philosophie, Religionswissenschaften und Sanskrit in Rostock, Indien und Japan. 1991* erhielt Michael von Brück die Professur für vergleichende Religionswissenschaft in Regensburg und wechselte 1998 auf den Lehrstuhl Religionswissenschaft der LMU in München. Er ist seit vielen Jahren Gesprächspartner des 14. Dalai Lama, verfasste zahlreiche Bücher über den Buddhismus, Hinduismus und Christentum und deren Verhältnis zueinander, die als Standardwerke gelten.

Bausteine einer modernen Anthropologie

Folgende gemeinsame Themen für die sechs Vorlesungen sind geplant:

09. November 2009: Bewusstsein, Ich und Selbst
10. November 2009: Wissen und Wahrheit
16. November 2009: Evolution
17. November 2009: Die Freiheit der Person
08. Dezember 2009: Liebe und Verantwortung
19. Januar 2010: Sterben und Tod

Alle Vorlesungen sind öffentlich und finden im Hörsaal 1 des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend jeweils ab 18.15 Uhr statt. Im Anschluss an die Beiträge der Fellows besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

TRL-09. November 2009

Flyer und Anfahrtsbeschreibung

Flyer

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Plakat

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Lageplan Campus Westend

Download lageplan_campus_westend.pdf - 928 kB

Anfahrt zum Campus Westend

Aktuelle Informationen...

Veröffentlichungen:

Die Templeton Lectures von Philip Clayton ab sofort als englische und deutsche Buchausgabe bei Vandenhoeck & Ruprecht erhältlich…

Philip Clayton: Die Frage nach der Freiheit

Informationen hier...

Downloadbereich:

Interviews des Hessischen Rundfunks mit den Fellows des vierten Jahres der TRL …


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